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Auch bei "Blackout" kann Trinkwasser fließen

Notstromversorgung für Wasserwerk Hennesee im Härtetest

Notstromversorgung des Wasserwerks Hennesee im Härtetest

Notstromversorgung des Wasserwerks Hennesee im Härtetest: Dennis Hengesbach, Ralf Wegener und Björn Drexler (v.li.) vom Team der Hochsauerlandwasser GmbH. (Bildnachweis: Hochsauerlandwasser GmbH)

Das Wasserkraftwerk am Dammfuß der Hennetalsperre

Das Wasserkraftwerk am Dammfuß der Hennetalsperre: Christof Sommer und Bernd Nestler vom Ruhrverband sowie Antonius Deimel von der Lister- und Lennekraftwerke GmbH mit ihrem Team. (Bildnachweis: Ruhrverband)

Meschede/Olsberg/Bestwig. Ohne Trinkwasser geht gar nichts - schließlich ist es unser “Lebensmittel Nr. 1”. Wie aber können die Menschen mit Trinkwasser versorgt werden, wenn es zu einem großen und lang andauernden Stromausfall kommt? - Das heimische Kommunalunternehmen Hochsauerlandwasser GmbH (HSW) trifft Vorsorge: Das neue Wasserwerk Hennesee besitzt eine ausgeklügelte Notstromversorgung. Die von HSW, Ruhrverband und den Lister- und Lennekraftwerken gemeinsam erdachte und realisierte Lösung  wurde jetzt vom HSW-Team einem ersten Härtetest unterzogen.

Der Grundgedanke: “Wenn großräumig der Strom ausfällt, kann das Wasserwerk aus dem Wasserkraftwerk des Ruhrverbands bzw. der Lister- und Lennekraftwerke GmbH, das sich am Dammfuß der Hennetalsperre befindet, mit Notstrom versorgt werden”, erläutert Christof Sommer, Betriebsingenieur des Ruhrverbands. So würde es möglich, mit dem Wasserwerk Hennesee weiter Trinkwasser aufzubereiten und es bis in die Zentren von Meschede, Bestwig und Olsberg zu transportieren. Robert Dietrich,Technischer Geschäftsführer der HSW: “Auf diese Weise können wir nicht nur einen großen Teil der Bevölkerung und der wichtigsten Infrastruktureinrichtungen erreichen, sondern sind völlig unabhängig von Kraftstoffreserven, auch und gerade für eine länger andauernde Notstromerzeugung.”

Klingt einfach - ist es aber nicht. Denn diese Art der Notstromversorgung ist technisch aufwändig. “Am wichtigsten ist es, eine stabile Stromleistung aufzubauen - und das Notstrom-Netz sauber vom eigentlichen Stromnetz zu trennen”, weiß HSW-Elektrotechnikermeister Björn Drexler. Bereits während der Bauphase des Wasserwerks wurde die Idee der Notstrom-Versorgung mitgedacht - in enger Zusammenarbeit mit dem Ruhrverband bzw. der Lister- und Lennekraftwerke GmbH als Eigentümer und Betreiber des Wasserkraftwerks an der Hennetalsperre: “Sonst wäre eine Umsetzung überhaupt nicht möglich gewesen”, betont Robert Dietrich.

So wurde ein Stromkabel vom Wasserkraftwerk zum Wasserwerk Hennesee verlegt - und von dort weiter zu den Pumpstationen Remblinghauser Straße und Ulmecker Siepen: “Schließlich reicht es nicht, das Trinkwasser aufzubereiten - wir müssen es auch transportieren können”, erklärt Bautechniker Volker Guth von der HSW. Auch sonst waren umfangreiche Arbeiten notwendig: Der Ruhrverband bzw. die Lister- und Lennekraftwerke GmbH mussten das Wasserkraftwerk ohnehin mit einer neuen Steuerung ausstatten. Das hat die HSW genutzt, um das Notstromprojekt zu realisieren - entsprechend hat sie sich auch an den Umbaukosten beteiligt. Ebenfalls musste die Pumpstation Remblinghauser Straße umgerüstet werden und auch im Wasserwerk Hennesee selbst wurde die Steuerung so ausgestattet, dass mit einem so genannten “Insel-Netz”, das vom herkömmlichen Stromnetz getrennt ist, gearbeitet werden kann.

Eine weitere Herausforderung: Die so genannte “Schwarzstartfähigkeit” des Wasserkraftwerks am Hennesee, erläutert Ruhrverbands-Betriebselektriker Bernd Nestler. „Um die Turbinen des Kraftwerks nach einem Komplett-Stillstand wieder in Gang zu bringen, ist selbst erst einmal Strom nötig - der jetzt von einer nachgerüsteten Batterieanlage kommt. Bis zu 2.000 Kilowatt können die beiden Turbinen zusammen erzeugen. Das garantiert aber immer noch nicht, dass die Leistung im Insel-Netz so stabil ist, dass Wasserwerk und Pumpstationen damit betrieben werden können”, so Björn Drexler.

In dem Testlauf wurde zunächst das Wasserkraftwerk im Hennedamm abgeschaltet - um sich anschließend vom herkömmlichen Stromnetz zu trennen. Nach dem “Schwarzstart” einer der Turbinen war das Ziel, die notwendige Leistungsfähigkeit und Stabilität des Insel-Netzes zu erzeugen - und schließlich das Wasserwerk und die Pumpstationen zu betreiben. “Ein technisch und fachlich sehr anspruchsvoller Vorgang”, fasst HSW-Vorarbeiter Ralf Wegener zusammen.

Und so war nach dem mehrstündigen Testlauf die Erleichterung förmlich zu spüren: Der Notstrom “läuft”, das Netz ist stabil und auch Aufbereitung und Transport des Trinkwassers funktionieren. “Alles war sehr zufriedenstellend”, so das Fazit von Ralf Wegener. Künftig wollen die Teams von HSW und Ruhrverband bzw. Lister- und Lennekraftwerke GmbH den Testlauf in regelmäßigen Abständen wiederholen – HSW-Betriebselektriker Dennis Hengesbach: “Es soll für uns zur Normalität werden, damit im Notfall die Arbeitsabläufe sitzen.”

Ein Notfall, von dem auch Robert Dietrich hofft, dass er nicht eintreffen wird: “Aber es ist gut zu wissen, dass wir gerüstet sind.” Sein ausdrückliches Dankeschön gilt dem Ruhrverband und hier besonders dem Betriebsgruppenleiter der Hennetalsperre, Christof Sommer, mit seinen Mitarbeitern sowie Elektrotechnikermeister Antonius Deimel von der Lister- und Lennekraftwerke GmbH. Wie schon bei Planung und Umsetzung des Wasserwerks Hennesee arbeite man auch hier hervorragend zusammen - “und dann kann man auch große und komplizierte Vorhaben bewältigen.”